Über Micha
Ich erzähle hier meine Geschichte nicht, weil sie außergewöhnlich ist, sondern weil sie erklärt, woher meine Sicht auf Cannabis kommt und wo ihre Grenzen liegen.
Meinen ersten Kontakt mit Cannabis hatte ich Anfang der 1980er-Jahre, wie viele meiner Generation eher zufällig als geplant. Was mich dabeigehalten hat, war weniger die Pflanze selbst als die Menschen, die ich über sie kennengelernt habe: Anbauer, Reisende, Patientinnen, Skeptiker, Ärzte, die selbst nicht wussten, was sie davon halten sollten. Cannabis war über Jahrzehnte ein Thema, über das viel behauptet und wenig wirklich untersucht wurde. Genau das hat mich neugierig gehalten.
Ich habe das Glück gehabt, viel unterwegs sein zu können, in Regionen, in denen der Umgang mit Cannabis sehr unterschiedlich gewachsen ist. In den Niederlanden habe ich gesehen, wie ein regulierter Markt aussehen kann. In Spanien habe ich die Anbauclub-Kultur miterlebt. In Nordamerika habe ich beobachtet, wie schnell sich eine ganze Industrie um Extrakte und Konzentrate aufgebaut hat, das 710-Thema, das dieser Seite ihren zweiten Namen gibt. Jede dieser Stationen hat meine Sicht relativiert. Was in einer Szene als Selbstverständlichkeit gilt, ist anderswo unbekannt oder umstritten. Diese Reisen haben mich vor allem eines gelehrt: Vorsicht mit pauschalen Aussagen.
Mit den Jahren hat sich mein Interesse verschoben, weg vom reinen Konsum, hin zur Frage, was in einem Extrakt eigentlich steckt. Vollspektrum oder Isolat, Lösungsmittel oder Kaltpressung, Terpene oder reines Cannabinoid: Diese Fragen haben mich lange begleitet, und sie sind der Grund, warum ich der eigenen Extrakte-Seite auf dieser Website so viel Raum gebe. Wissen über Herkunft und Herstellung halte ich für wichtiger als jedes Markenversprechen.
Ich habe keine medizinische Ausbildung. Ich stelle keine Diagnosen, ich verschreibe nichts, ich behandle niemanden und kein Tier. Was ich habe, ist gesammelte, persönliche Erfahrung über einen sehr langen Zeitraum, und die Bereitschaft, ehrlich zu sagen, wo diese Erfahrung endet. Bei allem, was über Erfahrungsberichte und allgemeine Information hinausgeht, insbesondere bei Beschwerden, Diagnosen oder Medikation, gehört das Gespräch in ärztliche oder tierärztliche Hände. Das ist keine Floskel, sondern meine tatsächliche Haltung: Ich sehe meine Rolle als Coach und Begleiter auf Augenhöhe, nicht als Ersatz für Medizin.
Eigenverantwortung heißt für mich, dass ich dir eine Einordnung anbiete, die Entscheidung und das Gespräch mit den zuständigen Fachpersonen aber bei dir bleibt.
In 45 Jahren habe ich beobachtet, wie unterschiedlich Menschen und Tiere auf dieselbe Sache reagieren können. Was einem Halter oder einer Halterin geholfen hat, muss bei einem anderen Tier nicht dasselbe Bild zeigen. Genau deshalb halte ich pauschale Dosierempfehlungen oder Heilversprechen für unseriös, egal von wem sie kommen. Ich bevorzuge einen anderen Weg: gut informieren, ehrlich einordnen, die Entscheidung dort lassen, wo sie hingehört, bei dir und, wenn ein Tier betroffen ist, im Gespräch mit einer Tierärztin oder einem Tierarzt.